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Ätherische Öle innerlich einnehmen – Anwendung ätherischer Öle

Weil wir es bei ätherischen Ölen mit hochkonzentrierten und hochpotenten Pflanzeninhaltsstoffen zu tun haben, bedarf es hier eines guten Grundverständnisses über ätherische Öle seitens des Anwenders/der Anwenderin.

Um den Wirbel um die innere Einnahme von ätherischen Ölen zu verstehen, müssen wir erst einmal begreifen, was ätherische Öle denn überhaupt sind.

Danach gehe ich auf die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten und die Pros und Kontras ein.

  1. Was sind ätherische Öle
  2. Ätherische Öle in Nahrungsmitteln
  3. Ätherische Öle in der Aromaküche
  4. Ätherische Öle in Getränken
  5. Ätherische Öle als Medizin
  6. Sicherheit und Qualität

1. WAS SIND ÄTHERISCHE ÖLE

Ätherische Öle sind duftende und hochkonzentrierte Pflanzeninhaltsstoffe, die vorwiegend durch Wasserdampfdestillation – aber auch durch Expression – verschiedenen aromatischen Pflanzen entzogen werden.

Für die Gewinnung von wenigen Tropfen werden teilweise große Mengen an Pflanzenmaterial benötigt.

Für die Herstellung von einem einzigen Gramm (ca. 20 Tropfen) ätherischen Pfefferminzöls werden zum Beispiel etwa 100 g Pfefferminzkraut benötigt; für ein einziges Gramm Rosenöl sogar 5 kg Rosenblüten!

Wie du siehst, sind ätherische Öle stark konzentriert (oft das 70 – 100fache des frischen Pflanzenmaterials; manchmal mehr) und müssen für eine verantwortungsvolle Anwendung wieder auf eine “physiologische” (natürliche) Konzentration zurückverdünnt werden.

2. ÄTHERISCHE ÖLE IN NAHRUNGSMITTELN

Ätherische Öle kommen in vielen Nahrungsmitteln natürlich vor.

Allen voran in beliebten Küchenkräutern wie Oregano,Thymian, Majoran, etc., gefolgt von verschiedenen Gewürzen wie Zimt, Nelken, Kümmel, Lorbeer, usw.

Genauso sind in Kräutertees oft vor allem die ätherischen Öle für Geschmack und Wirkung zuständig: z. B. in Fenchel-, Pfefferminz- und Kamillentee.

Auch in Knoblauch, Zwiebeln und Lauch sind ätherische Öle bzw. Bausteine von ätherischen Ölen enthalten; genauso in vielen Gemüsen und Früchten.

Auf ihrem Aroma-Blog hat die Aroma-Expertin Eliane Zimmermann in einer Tabelle aufgelistet, welche ätherischen Öl-Inhaltsstoffe in welchen Lebensmitteln enthalten sind. Zusammen mit anderen Inhaltsstoffen bestimmen ätherische Öle so Geschmack und Duft unserer Speisen. Schon in diesen natürlich vorkommenden, winzigen Mengen wirken sie verdauungsfördernd, antibakteriell, antiviral, antiparasitär, entkrampfend, blähungswidrig, uvm. Du siehst, dass ätherische Öle als natürliche Bestandteile unserer Nahrung ihren Platz und Sinn haben. Schon in diesen geringen Mengen tun sie ihre Wirkung und sind unserer Gesundheit durchaus zuträglich.

3. ÄTHERISCHE ÖLE IN DER AROMAKÜCHE

Was liegt also näher, als ätherische Öle auch direkt zum Aromatisieren unserer Speisen zu verwenden?

Mehrere Hersteller von ätherischen Ölen bieten deshalb auch “Würz-” oder “Aromaöle” an, die eine spezielle Zulassung als Lebensmittel haben.

Die Würzöle von feeling, Vegaroma, Baldini/Taoasis umfassen ätherische Öle und Extrakte der gängigen Küchenkräuter und Küchengewürze: Zitrone, Orange, Limette, Mandarine, Grapefruit, Ingwer, Kardamom, Pfefferminze, Pfeffer, Zimt, Nelke, Lemongras, Rose, Lavendel, Tonka, Vanille, Kakao, u.a. Wie ich oben schon erklärt habe, sind ätherische Öle, wie wir sie im Handel in Fläschchen bekommen, hochkonzentriert.

Deshalb genügt zur Aromatisierung von Speisen meist schon 1 Tropfen eines ätherischen Öls auf mehrere Portionen! Meistens genügt es sogar schon, wenn man etwas ätherisches Öl mit einem Zahnstocher aus dem Fläschchen aufnimmt, und in die Speisen einrührt. Persönlich verwende ich zum Würzen aber lieber Kräuter und Gewürze in herkömmlicher Form. Das ist einfach leichter zu dosieren und meiner Meinung nach am natürlichsten. Aber in meiner Kleinstadt sind manche Zutaten einfach nicht immer leicht erhältlich. Dann verwende ich auch mal 1 Tropfen Bio-Limettenöl für ein asiatisches Stir-Fry oder in der Guacamole; oder Bio-Zitronenöl zum Kuchenbacken, wenn ich keine Bio-Zitrone zum Abraspeln daheim habe. Viele Rezepte findest du in diesen Büchern: Aromaküche und Duftküche. Auch wenn es zum Kochen und Backen mittlerweile Lebensmittel-zertifizierte “Würzöle” im Handel gibt, ist es mir persönlich genug, wenn ein Öl 100% naturrein und hochqualitativ ist und aus Bio-Anbau stammt. Da ist mir auch wurscht, wenn die “bösen” Warnpiktogramme drauf sind. Aber ich kenne mich ja auch einigermaßen gut mit ätherischen Ölen aus. 😉 Dass die Art der Zulassung eines Öls (z. B. als Lebensmittel, Gebrauchsgegenstand oder Kosmetikum) nicht unbedingt etwas mit dessen Qualität zu tun hat, erkläre ich hier (klick!). Dort erfährst du alles, was es mit der Qualität, Deklaration, den Zulassungsbestimmungen und Warnhinweisen auf ätherischen Ölen auf sich hat! In der “Aromaküche” sind Speisen die “Träger” für die ätherischen Öle. Sie sind in einem Gericht fein verteilt (=emulgiert) und damit “verdünnt”. In winzigen Mengen sind viele ätherische Öle deshalb auch gut verträglich. Auch in Smoothies oder Joghurtgetränken sind ätherische Öle gut in der Gesamtmenge “emulgiert” (= verteilt). In Wasser lösen sie sich dagegen nicht! Aber mehr dazu gleich.

4. ÄTHERISCHE ÖLE IN GETRÄNKEN

In Smoothies oder Joghurtgetränken kann 1 Tröpfchen ätherisches Öl den Geschmack aufpeppen.

Auch Wasser kann mit ein wenig ätherischem Öl (z. B. Zitrusöl) aromatisiert werden. Allerdings genügen hier schon ein bis zwei Tropfen auf einen Liter Wasser!

Ich halte allerdings nichts von Empfehlungen, mehrere Tropfen Öl in einem Glas Wasser zu trinken – im Gegenteil.

Oft höre oder lese ich solche Anwendungsempfehlungen; zum Beispiel, dass mehrere Tropfen Zitronenöl (Lemon) mehrmals am Tag in Wasser getrunken werden sollen, weil das entgiften soll.

Abgesehen davon, dass (mir) das einfach nicht schmeckt (weil das viel zu konzentriert ist), kann diese Form der Anwendung auf Dauer die Mund- und Magenschleimhäute reizen.

Der Grund dafür ist, dass ätherische Öle nicht nur hochkonzentriert sind und sie sich auch NICHT in Wasser lösen!

Das heißt, dass du die ätherischen Öle mit den ersten Schlucken konzentriert aufnimmst!

Wusstest du übrigens, dass der Hauptinhaltsstoff in Zitrusölen natürliche Monoterpenverbindungen sind, die manche Plastikkarten auflösen können? Uuuhh!

Es ist also keine gute Idee, sich jeden Tag mehrere Tropfen Zitronenöl  – oder was weiss ich, was alles als (angeblich) gesund angepriesen wird – hinter die Binde zu kippen. Wurscht, wie “rein” dieses Öl ist; und wurscht, welches tolle Qualitätssiegel dieses Öl hat.

Mir erschließt sich hier auch der Sinn nicht. Zumal ätherisches Zitronenöl noch nicht einmal Vitamin C enthält – das ist nur im frisch gepressten Saft enthalten. Zitronenöl wird dagegen übrigens aus der Schale gewonnen.

Bestandteile des ätherischen Zitronenöls sind in ähnlichem Ausmaß auch in frischem Zitronensaft enthalten – aber halt in gelöster Form!

Ich halte es da lieber mit der ayurvedischen Tradition, morgens ein Glas warmes Wasser mit einem Spritzer frischen Zitronensaft zu trinken. Ein weiteres Beispiel ist Pfefferminzöl. 1 Tropfen Pfefferminzöl entsprechen meiner Berechnungen nach 4 – 5 Teebeuteln á 2 g. Vielleicht auch mehr. Das heißt, dass 1 Tropfen auf einen Liter genügt, um die gewünschte Wirkung zu haben. Wer auf Nummer Sicher gehen will, der kann ätherische Öle auch mit dem natürlichen Lösungsvermittler Solubol vermischen (1 + 4). Dann klappt es auch mit dem Lösen in Wasser. Auch “Infused Water” ist eine beliebte Art zum Aromatisieren von Wasser – und auf alle Fälle 100% sicher! Dabei werden einfach Früchte oder Kräuter in Wasser eingelegt, um dem Wasser Geschmack zu verleihen.

5. ÄTHERISCHE ÖLE INNERLICH ZU THERAPEUTISCHEN ZWECKEN EINNEHMEN

Gleich vorweg: Ich empfehle hier NICHT die sorglose Einnahme von ätherischen Ölen.

Die Empfehlung der Einnahme von ätherischen Ölen für therapeutische Zwecke ist ausschließlich ÄrztInnen mit einer entsprechenden Ausbildung vorbehalten!

Weil aber immer wieder Diskussionen über dieses Thema ausbrechen, will ich hier doch darauf eingehen.

Meiner Meinung nach ist jede(r) selbst dafür verantwortlich, was sie oder er mit ihrem/seinem Körper tut.

Allerdings ist es ein Unterschied, ob du etwas in Eigenverantwortung an dir selbst anwendest – oder es z. B. jemand anderem empfiehlst, der weniger Ahnung hat, oder es z. B. deinen Kindern verabreichst!

Und jetzt der Reihe nach:

Physiologie:

Innerlich eingenommen, werden ätherische Öle (bzw. deren Bestandteile) schneller und in höheren Konzentrationen ins Blut aufgenommen als vergleichsweise durch die topische Anwendung (über die Haut).

Die ätherischen Öle werden über die Darmschleimhaut aufgenommen und über die Pfortader zur Leber transportiert.

Dort werden sie großteils verändert und ihre nun wasserlöslichen Umbauprodukte gelangen in den Blutkreislauf und schließlich in den ganzen Körper, wo sie ihre Wirkung entfalten. Sie werden später vor allem über die Nieren wieder ausgeschieden.

Einnahme: Damit ätherische Öle aber überhaupt in den Darm gelangen, müssen sie in magensaftresistente HPMC-Kapseln gegeben werden – zusammen mit einem Trägeröl, das für die Verdünnung und bessere Resorption des ätherischen Öls sorgt. Einfache Gelatine- oder Zellulose-Kapseln reichen dafür nicht aus, weil sich diese schon im Magen auflösen!

Dosierung:

Weil ätherische Öle einerseits hochkonzentriert sind, und sie andererseits über den Darm in höherer Konzentration aufgenommen (resorbiert) werden als bei der topischen Anwendung über die Haut, müssen sie sehr, sehr vorsichtig dosiert werden.

1 Tropfen ätherisches Öl (in Bio-Qualität) + Trägeröl (fettes Pflanzenöl) pro Kapsel – und das maximal 2 – 3 mal pro Tag – reichen aus!

Wahl der Öle:

Beschränke dich bei der Wahl der ätherischen Öle auf Öle, über deren Wirkungen und Nebenwirkungen du bestens Bescheid weißt!

Bei Ölen von Kräutern und Gewürzen, die normalerweise für das Würzen von Speisen verwendet werden, bist du meistens auf der sicheren Seite. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen! Mehr dazu gleich im Punkt Sicherheit.

Sicherheit und Nebenwirkungen:

Auch wenn sie in der oben genannten Dosierung meist gut verträglich sind, sind selbst Öle, die aus gängigen Küchenkräutern und -gewürzen gewonnen werden, nicht immer unbedenklich.

Schwangere sollten ätherische Öle niemals innerlich einnehmen!

So sind zum Beispiel Salbeiöl, Fenchelöl, Anisöl, Nelkenöl, Petersilienöl, Oreganoöl, Thymianöl, Bergbohnenkrautöl, Ysopöl, Schopflavendelöl und Rosmarinöl Ct. Borneon bei Schwangeren unbedingt zu vermeiden, weil einige ab einer gewissen Konzentration entweder uterustonisierend und abortivwirken können oder eine hormonähnliche Wirkung haben können.

Gib auch Kindern ätherische Öle nie zur inneren Einnahme!

Manche ätherischen Öle können bei innerer Einnahme übrigens auch mit Medikamenten interagieren oder die Eisenaufnahme behindern. Zweiteres ist z. B. von Oreganoöl und von Muskatellersalbeiöl bekannt.

Häufige Irrtümer:

Gerade Oreganoöl wird oft zur Darmsanierung empfohlen. Beachte dabei, dass ätherisches Öl – auch wenn es sich dabei um ein Naturprodukt handelt – schon in niedriger Dosierung hochwirksam ist und in seiner stark antibiotischen Wirkung NICHT zwischen “guten” und “bösen” Darmkeimen unterscheidet. Verwende deshalb während und nach einer Kur mit Oreganoöl Probiotika, wie z. B. Joghurt, zum Wiederaufbau der Darmflora. Auch Weihrauchöl wird immer wieder als wahres “Wundermittel” angepriesen (diese Behauptung wird hier vom Aromaexperten Robert Tisserand relativiert). Allerdings ist die begehrte Boswelliasäure, die stark entzündungshemmend wirkt, vor allem im Harz enthalten. Bei der Gewinnung von ätherischem Weihrauchöl durch Wasserdampfdestillation geht dieser Stoff NICHT in das Öl über (weil diese Moleküle zu schwer sind). Verwende deshalb besser Weihrauchkapseln aus pulverisiertem Harz mit einem möglichst hohen Anteil an Boswelliasäure.

Fertige Kapseln aus der Apotheke:

Es gibt auch fertige Kapseln mit ätherischen Ölen in Apotheken zu kaufen.

Und nicht umsonst sind diese eben apothekenpflichtig!

Achte deshalb genau auf die Dosierempfehlungen und Hinweise zu Wirkungen und möglichen Nebenwirkungen in der Packungsbeilage!

Hier sind einige Beispiele für fertige Präparate:

Lasea: bei ängstlicher Unruhe und Schlafstörungen

Carmenthin: bei Verdauungsbeschwerden

Oreganoöl: antibiotikum-ähnliche Wirkweise

Soledum: bei Husten und Verschleimung der Atemwege

Gelomyrthol: bei Husten und Entzündungen der Nasennebenhöhlen

Mehr über die innerliche Einnahme von ätherischen Ölen in Kapseln kannst du im Aroma-Blog von Eliane Zimmermann nachlesen.

6. QUALITÄT und SICHERHEIT

  • Verwende nur 100% naturreine ätherische Öle von bester Qualität – am besten aus Bio-Anbau.
  • Verwende zur inneren Einnahme nur ätherische Öle, deren Wirkung und mögliche Nebenwirkungen du genau kennst. Sei auch kritisch, wo deine Informationen herkommen!
  • Bedenke, wie konzentriert ätherische Öle sind, und dosiere sie entsprechend vorsichtig. 1 Tropfen genügt meist!
  • Schwangere und Kinder sollten ätherische Öle niemals innerlich einnehmen.
  • Sei kritisch gegenüber Aussagen und Empfehlungen von Leuten, die behaupten, dass die Einnahme von ätherischen Öle mit einem besonderen Qualitätssiegel (z. B. CPTG® ) immer sicher ist – nur weil sie besonders “rein” wären! Das Gleiche gilt auch für speziell als Lebensmittel zugelassene ätherische Öle. Ätherische Öle sind und bleiben hochkonzentriert – egal wie rein sie sein mögen!
  • Wenn du dir unsicher bist, welche Öle du in welcher Menge für die Aromaküche verwenden kannst, dann hol dir dazu ein gutes Buch (Empfehlungen siehe unten) und verwende Lebensmittel-zertifizierte ätherische Öle.

Kategorien:   Essentielle Öle

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